1999 fand zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau der Schule, ein EU-weiter offener Architektenwettbewerb statt wobei das atelier4 mit dem 1. Preis ausgelobt wurde.
STÄDTEBAULICHES KONZEPT
"Im Prozess der städtebaulichen und zugleich sozio-kulturellen Transformation spielen öffentliche Gebäude eine entscheidende Rolle, denn es geht dabei um Orte für die Gemeinschaft, für das Gemeinwesen. Schule sind Orte des urbanen Zusammenhaltes, denn jeder kann dort das Gefühl der Zugehörigkeit zur Stadtgesellschaft entwickeln und einüben." (Zitat von Francoise-Helene Jourda).
Die Lage des Gebäudes mitten im gärtnerischen Grünland wird durch eine klare, kubische, rechteckige, pavillonartige Gesamtform entwickelt, die nicht in Konkurrenz zum östlichen Park und den Gartenbaukulturen tritt, sondern gleichsam als ökologisches Ganzes einen Dialog mit der Umgebung eingeht und sich in die gegebene Situation einfügt. Ein grosser Vorplatz schafft genügend Distanz zu der am Donizettiweg situierten Einfamilienhausbebauung. Die Schule wurde als Pavillon und Themen-Schule konzipiert, um nicht in Konkurrenz mit dem Parkgelände einerseits und den strengen Feldstrukturen des Gartenbaues andererseits zu treten. Darüber hinaus ist der Pavillon an sich auch ein Begriff der Gartengestaltung und wird hier in ein bestehendes Netz von Hecken miteingebunden. Das Gebäude geht so einen Dialog mit der Umgebung im vorbeschriebenen Sinn ein, aber in der Weise, dass innerhalb der strengen, rechteckigen Grundform Offenheit vermittelt wird, also z.B. Plateauebenen und Durchblicke eingeplant wurden, die sich zum Park hin öffnen, teilweise überdacht sind und so die Leichtigkeit, die man von einen Pavillon erwartet, auch konkretisiert. Diese Ebenen horizontal (Innenhof Plateau) und Dachplateau sowie die vertikalen Ebenen bilden die Oberflächen für bestimmte Themen der Lehrinhalte der Gartenbau- und Floristenschule.
Wir nennen sie Themengärten. Diese Themen sind:
Der vertikale Garten - Fassadenbegrünung
Das Atrium
Der Innenhof
Der Dachgarten
Das biologische Fenster beim Eingang.
PÄDAGOGISCHES KONZEPT UND ENTWURFSKONZEPT:
Das Gebäude selbst ist so konzipiert, dass es nicht nur als Hülle für die Vermittlung von theoretischen Wissen dient, sondern auch durch seine besondere Ausformung und Erscheinungsbild gleichzeitig Demonstration und Versuchsobjekt für die vielfältigen Lehrinhalte der Gartenbau- und Floristenschule bildet. Eine Reihe von Entwurfsthemen wurden entwickelt, die die Lehrinhalte der Ausbildung der Berufsschule darstellen bzw. in das Entwurfskonzept integriert wurden.
THEMA DACHGÄRTEN:
Didaktische Dachgärten mit verschiedenen Vegetationsformen sowie einem Lehr- und Farbengarten für den praktischen Unterricht mit einem Glashaus als Versuchsgarten. Die Felder werden durch ein Netz von Wegachsen miteinander verknüpft und zwei parallele Wege verklammern als Grundgerüst die Felder.
THEMA INNENHOFGÄRTEN (ATRIUM):
Das Gebäude wird in Höhe des 1. Stockwerkes, in Verlängerung des ostseitigen Parks, von einem grosszügigen, plateauartigen Freiraum durchdrungen, der sich an die verschiedensten, in einer Grossstadt vorhandenen Themen der Dachbegrünung, erstreckt und so auf gleicher Ebene Demonstration und Versuchsobjekt wird, in einer - von den Schülern jederzeit einsehbaren - Ebene. Der Turnsaal - auch ausserschulisch von der Schule des Baugewerbes benutzt - nimmt in diesem Konzept bewusst keine dominierende Rolle ein, sondern ordnet sich dem Gesamtzweck der pädagogischen Aufgabe einer Gartenbauschule unter. Er bildet lediglich als Dach im 1. Stock die Ebene für eine Innenhofbegrünung mit verschiedenen Ahornarten (z.B. Acer polnatum). Diese Pflanzenart erlaubt unterschiedlichste Herbstfärbungen und Stammhöhen, je nach Möglichkeit der Pflanztiefe. Unterschiedliche Materialien der Belagfläche (kleinteilig im gedeckten Bereich, grossflächig im Randbereich) gestalten diesen Aussenraum zu einer von den Schülern zu nutzenden Pausenfläche im Freien und wird über eine grosszügige Treppe mit dem Parkgarten verknüpft.
THEMA VERTIKALE GÄRTEN ( INNEN UND AUSSEN):
Ein weiteres Thema ist die Fassadenbegrünung, wo eine sehr einheitliche, strenge Fassadengestaltung mittels einem vorgesetzten, vertikalen Rahmen für eine Fassadenbepflanzung ausgeführt wurdet, welche je nach Jahreszeit ein unterschiedliches Erscheinungsbild bietet.
Weiters wurde, zusammen mit der Schule, eine vertikale Innenwandbegrünung entwickelt, als permanente Innenbegrünung im Hallenbereich der Schule.
THEMA ATRIUMGÄRTEN:
Eine von oben und seitlich vom Atrium lichtdurchflutete, mittlere Halle, gleichsam als Herz und Mittelpunkt der Erschliessungselemente, ist der Rahmen für die Erprobung und Gestaltung von Indoorpflanzenelementen für die Schüler.
Thema Botanisches Fenster "Vitrine":
Die verglaste Eingangsfront sowie der Verbindungsgang bilden nicht nur den räumlichen Abschluss zum Gartenbaugelände, sondern ist in seiner Art so konzipiert, dass diese wie eine "Vitrine" den Besuchern die Inhalte des Lehrplanes vermittelt. Durch diese aktive, von Schülern betreute Eingangsfront, wird nach aussen hin ein über die Jahreszeiten hinweg abwechslungsreiches Schaubild vermittelt und bestätigt so das Bild der Schule als Ort des urbanen Zusammenhaltes.
ALTERNATIVE ENERGIEKONZEPTE:
Alternativenergiekonzepte bestehen aus einer ökologischen Bauteilheizung (reine Strahlungsheizung), aus Photovoltaikanlage und Nutzwasserleitungen für die WC-Spülung sowie Gartenbewässerung.
Des weiteren wird eine einfache Be- und Entlüftungsanlage in den Klassen unter dem Motto "Gute Luft für gute Schüler" durch ein neues Konditionierungskonzept als Versuchs- und Forschungsobjekt eingebaut. Unter diesem Motto werden einige Klassen mit Nachströmbelüftungen ausgestattet. Die Konzentration der Schüler und damit die Aufmerksamkeit werden verstärkt bzw. gerade in den Wintermonaten ein Beitrag für bessere Lehr- und Lernbedingungen geschaffen.
Die erstmalig im Schulbau konzipierte Bauteilheizung als reine Strahlungsheizung (integriert in den Wänden, Parapeten und Fensterprofilen) erlaubt, bei höherer Behaglichkeit, die Raumtemperatur um ca. 2 bis 3 Grad Celsius niedriger zu halten als bei sonst üblichen Heizungsarten und somit einen Beitrag zur Energieeinsparung und Senkung der Betriebskosten. Die Photovoltaikanlage wurde in die vertikale, südgerichtete Isolierverglasung des Dachgeschosses integriert, mit amorphen Siliziumzellen und speist Strom mit Wechselrichter in das Netz ein. Diese übernimmt, weil integriert in die Fassade, gleichzeitig den Sonnenschutz. Vorhandene, und während der Bauzeit erforderliche Nutzwasserbrunnen, zur Grundwasserabsenkung, werden zur Wasserentnahme für WC-Spülung und Gartenbewässerung herangezogen.
Statistik:
Nettonutzfläche:..........5.731 m2
Bruttogrundfläche:..........6.522 m2
Bruttorauminhalt:.......30.877 m3
Bauzeit:............2001 bis 2003,
Baudauer:..........20 Monate
Bauwerkskosten netto:....ca. 8.000.000.- Euro, ohne Einrichtungskosten
Das Projekt wurde als Generalplaner abgewickelt, die örtliche Bauaufsicht erfolgte durch die Stadt Wien