Das Projekt wurde als Ergebnis eines EU- weiten offenen Wettbewerbes, aus dem atelier4.architects als Preisträger des 1. Preises hervorging, realisiert.
STAEDTEBAULICHE ZIELSETZUNGEN
Die Situierung der Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) an der Gerasdorferstrasse im 21. Wiener Gemeindebezirk schafft für das derzeit disperse und orientierungslose Siedlungsgebiet einen neuen zentralen Ort und sozialen Schwerpunkt und somit Impulse für das städtische Leben, mit den in diesen Gebieten meist fehlenden Kontakten ("Ereignissen"). Der Hauptbaukörper der Schule mit grosszügigem Vorplatz und Turnhallenbereich wird an der Gerasdorferstrasse situiert. Der Klassentrakt erstreckt sich als dreigeschossige Schulachse in Nordsüdrichtung und ist durch drei kammartige, zweigeschossige Baukörperteile an der Kollarzgasse gegliedert. Die drei niedrigen Gebäudeteile nehmen die Struktur der Einfamilienhausbebauung auf und rhythmisieren den Baukörper entlang der Wohnstrasse.
Die AHS ist als Ganztagesschule konzipiert (mit Essenbereich mit Speisesaal Aufwärmküche und Nebenräumen). Darüber hinaus gibt es im Eingangsbereich einen variabel gestaltbaren Mehrzweckraum, der zur Pausenhalle geöffnet, und für schulische oder auch ausserschulische Zwecke genutzt werden kann. Der Sportbereich besteht aus einer teilbaren Dreifach-Sporthalle mit drei Garderobenzonen, die zu einer Grosssporthalle vereinigt werden kann und auch für Vereine zugänglich sein soll.
Der Haupteingang mit Vorplatz liegt zwischen Hauptbaukörper und Sporthalle und ist dadurch schallmässig von der Kollarzgasse abgeschirmt.
Durch das freiwillige Abrücken des Hauptbaukörpers von der Grundgrenze Kollarzgasse und die Situierung des Lehrerparkplatzes mit Einfahrt nahe der Kreuzung zur Gerasdorferstrasse lässt sich geringstmögliche Lärmbelästigung durch zusätzlichen Verkehr in der Kollarzgasse erwarten.
Die gesamte Schule ist barierrefrei ausgeführt (Erdgeschoss stufenfrei erreichbar, vertikale Erschliessung mit behindertengerechtem Lift, in jedem Geschoss ein behindertengerechtes WC.
Die Kellerflächen sind auf das notwendigste Minimum reduziert (technische Räume und geringfügige Lagerräume). Die Garderoben befinden sich in den Gangflächen, den Klassen zugeordnet
LÖSUNG DER BAUAUFGABE:
"Einheit in der Vielfalt" (nach Montessori): Die Gliederung der Baumassen nach Funktionszonen und städtebaulichen Kriterien lässt ein Ensemble entstehen, das durch die Nord-Süd gerichtete Schulachse sowie die materielle Ausstattung der Fassade zu einer Einheit verfestigt wird.
Die Fassadengestaltung wird geprägt von der Dualität, Transparenz (Erschliessung) und Massivität (Orte der Konzentration).
Die Erschliessungszonen sind als "deregulierte Bereiche" ausgebildet, so dass sie als Kommunikationsräume, Verteiler- und Spielflächen gleichzeitig dienen können. Diese öffnen sich durch grosszügige Verglasung zur Freifläche und schaffen Kontakt zur Aussenwelt, und damit Orientierung für die Kinder.
Situierung des Mehrzweck- und Musikraumes im Erdgeschoss in der Weise, dass zusammen mit den Pausenflächen eine grosszügige Erweiterungsfläche, auch für ausserschulische Veranstaltungen, entsteht.
Vertikale Raumverbindungen in jenen Bereichen, wo keine Gang-Garderoben situiert sind, um so auch grosszügige Belichtungsverhältnisse für die zweihüftigen Bereiche des 1. Stockwerkes zu ermöglichen.
Schaffung einer "vorbereiteten Umgebung" im Sinne Montessoris als klar geordnetes, nicht überfrachtetes Lernumfeld, das zu spontaner, aber konzentrierter Eigeninitiative anregen soll.
Turnhallen mit Garderoben an der Gerasdorferstrasse mit eigenem Eingang für ausserschulische Nutzung vom Schulvorplatz aus.
Orientierung der Klassen gegen Osten und Süden.
Konzipierung eines Niedrigenergiegebäudes, kombiniert mit einer "natur-low-technology", wo gemäss den physikalischen Prinzipien der Natur ein Optimum an Effizienz bei minimalem Energie- und Technikeinsatz erzielt werden soll.
BESONDERHEITEN, ÖKOLOGIE:
Das Schulgebäude ist mit einer "kontrollierten Lüftung" aus gestattet. Zu diesem Zweck wurden in das Erdreich ausserhalb des Gebäudes zur Zuluftkonditionierung Betonrohre als sogenannte "Energiebrunnen" verlegt.
Nutzen dieser Massnahmen sind:
Wesentliche Verbesserung des Raumklimas durch Reduktion des CO2 Gehalts der Raumluft in den Unterrichtsräumen, speziell im Winter, sowie Wärmerückgewinnung aus der Raumabluft und somit Reduktion des Lüftungswärmebedarfes und Vermeidung unkontrollierten Lüftens.
Als Nebeneffekt wird die Zuluft gefiltert und ist daher für Allergiker besser verträglich.
Funktion der kontrollierten Lüftung:
Die Aussenluft wird über einen Frischluftbrunnen mit Grobstaubfilter durch den Erdkollektor angesaugt. Dieser besteht aus Betonrohren ,welche in ca. 2 m Tiefe unter den Grünanlagen verlegt sind. Dabei wird die Luft im Winter auf natürlichem Wege vorgewärmt, (immer über 5 ° C), im Sommer um ca. 3-8 Grad gekühlt (" free cooling").
Die Anlage fördert die gefilterte und über den Wärmetauscher aufgewärmte Zuluft über Quellluftauslässe zugfrei in die Klassenräume und Sonderunterrichtsräume. Die so in die Unterrichtsräume eingebrachte Luft tritt durch den im Raum entstehenden Überdruck wieder über Überströmgitter mit Schalldämpfern in die Gänge über. Von dort wird die Abluft abgesaugt und über den Plattenwärmetauscher des zentralen Lüftungsgerätes geführt und somit die Aussenluft vorgewärmt .( Energiegewinnung von ca. 80% aus der Abluft. Danach wird die Abluft ins Freie über Dach ausgeblasen.
Schüleranzahl: ca. 1000 Schüler, 30 Stammklassen,
Aussenanlagen: Rasenspielfeld 60 x 90 m, Beach-Volleyballanlage mit Zuschauertribüne, 100 m Laufbahn, Pausenfreiflächen , Pkw Parkplatz etc
Bauwerkskosten netto: ... 8.150.000.- EURO, inkl. Aussenanlagen, ohne Mehrwertsteuer,
Bruttogrundfläche: ...........12.145 m2
Bruttorauminhalt: ........61.248 m3
Planung..........1998 - 2002
Bauzeit: ............2000 bis 2002,
Baudauer :........18 Monate
Die Bauabwicklung erfolgte durch das atelier4 als Generalplaner, inklusive örtlicher Bauaufsicht